Wo sind die Männer des Glaubens?

Die Männer des Glaubens waren zu allen Zeiten rar. Durch meine Frau bin ich nun auf die Begebenheit der 12 Kundschafter aufmerksam geworden und habe festgestellt, dass es uns für diese Zeit ein wunderbares Vorbild darstellt. Zu welchen Kundschaftern gehörst Du? Zu den zwei treuen oder den zehn ungläubigen Kundschaftern?

Echte Männer braucht das Volk

Und der HERR redete zu Mose und sprach: Sende Männer aus, daß sie das Land Kanaan auskundschaften, das ich den Kindern Israels geben will. Von jedem Stamm ihrer Väter sollt ihr einen Mann schicken, lauter Fürsten aus ihrer Mitte! Und Mose sandte sie aus der Wüste Paran nach dem Befehl des HERRN, lauter Männer, die Häupter waren unter den Kindern Israels.

4 Mose 13:1-3

Das Volk Israel steht kurz vor der Ankunft im von Gott verheißenen Land. Und nun gibt Gott Mose den Auftrag, Kundschafter in das Land auszusenden. Wen wählt Mose denn da aus? Es sind alles Fürsten ihrer Vaterhäuser. Diese Männer waren angesehene Verantwortungsträger in der Gemeinde Israels. Sie waren „echte“, mutige Männer. Und das mussten sie auch sein. Denn wer hätte es sonst gewagt, tief in das Feindesland einzudringen und die Feinde über 40 Tage auszukundschaften? Das bedeutete unter anderem 40 Tage irgendwo zu übernachten und ständig auf der Hut zu sein, dass man nicht erwischt wird. Diese Männer haben das gewagt und waren daher keine Angsthasen, sondern eben echte Männer.

Wenn Fakten Angst machen

Und sie gingen und kamen zu Mose und Aaron und zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israels, in die Wüste Paran, nach Kadesch; und sie brachten ihnen und der ganzen Gemeinde Bericht und ließen sie die Früchte des Landes sehen. Und sie erzählten ihm und sprachen: Wir sind in das Land gekommen, in das du uns sandtest, und es fließt wirklich Milch und Honig darin, und dies ist seine Frucht. Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark, und die Städte sind sehr fest und groß. Und wir sahen auch Söhne Enaks dort. Die Amalekiter wohnen im Land des Negev; die Hetiter, Jebusiter und Amoriter aber wohnen im Bergland, und die Kanaaniter am Meer und entlang des Jordan.

4 Mose 13:26-29

Der Bericht der Kundschafter ist ein nüchterner Bericht der Fakten. Zuerst bestätigen sie, dass Gottes Verheißung eines Landes von Milch und Honig richtig war. Dieses Land war überreich und fruchtbar. Sie brachten sogar Früchte mit, die das für jeden sichtbar belegten. Was für eine wunderbare Sache, wenn da nicht noch die weiteren Fakten wären.

Denn nun berichten sie von den Hindernissen, die auf dem Weg in das verheißene Land zu überwinden sein würden. Sie sprechen zuerst davon, dass das Volk stark ist und die Städte fest sind. Es würde also viel Aufwand erfordern, das Land einzunehmen. Dann berichten sie von den Söhnen Enaks, die als Riesen und tapfere Kämpfer bekannt waren. Es braucht also sehr tapfere Israeliten, um diesen Männern zu begegnen. Vor allem, da die Bewaffnung der Israeliten nicht gut war. Und zuletzt folgt eine Aufzählung der verschiedenen Völker, die im Land wohnen.

Soweit ist es eine scheinbar sachliche Beschreibung dessen, was die Männer gesehen haben. Doch dieser Bericht war nicht so neutral, wie er scheint. Kaleb jedenfalls sah die Notwendigkeit, einzugreifen und die ganze Zusammenkunft in eine bessere Richtung zu führen:

Kaleb aber beschwichtigte das Volk gegenüber Mose und sprach: Laßt uns doch hinaufziehen und das Land einnehmen, denn wir werden es gewiß bezwingen!

4 Mose 13:30

Eklat: Kaleb greift ein

Wer die Begebenheit kennt, der weiß, wie zwei der 12 Kundschafter Gott geglaubt haben und dem Volk im Glauben vorangehen wollten. An dieser Stelle sehen wir Kaleb in Aktion. Warum meint er aber, eingreifen zu müssen, wo doch nur ein neutraler Bericht abgegeben wurde?

Der Bericht war leider nicht so neutral, wie es scheint. Er legt den Schwerpunkt auf die Hindernisse und nicht auf die Verheißungen Gottes. Der Bericht bestätigt zwar, dass Gottes Versprechen eines Landes, in dem Milch und Honig fließt, völlig der Realität entspricht. Doch gleichzeitig macht er durch die Aufzählung der Völker deutlich, dass das Land voll ist und es ohne Kampf keinen Platz gibt. Schließlich beschäftigt sich der Bericht nur noch mit den Hindernissen, und führt dadurch fast zwingend zu dem Schluss, dass die Einnahme des Landes unmöglich ist. Darum sieht Kaleb am Ende die Notwendigkeit, beschwichtigend einzugreifen und auf die Verheißung Gottes hinzuweisen, dass sie das Land gewiss bezwingen werden.

Und durch Kalebs Eingreifen wird nun der ganze Unglaube der anderen Kundschafter offenbar. Auch heute noch ist es immer wieder nötig, fest und deutlich auf die Verheißungen Gottes hinzuweisen und einen Eklat zu riskieren. Denn nur so kommt der Unglaube ans Licht und kann dem Wort gemäß behandelt werden.

Aber die Männer, die mit ihm hinaufgezogen waren, sprachen: Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist stärker als wir! Und sie brachten das Land, das sie erkundet hatten, in Verruf bei den Kindern Israels und sprachen: Das Land, das wir durchzogen haben, um es auszukundschaften, ist ein Land, das seine Einwohner frißt,und alles Volk, das wir darin sahen, sind Leute von hohem Wuchs. Wir sahen dort auch Riesen, Söhne Enaks aus dem Riesengeschlecht, und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken, und ebenso waren wir auch in ihren Augen!

4 Mose 13:31-33

Der Skandal ist nun voll am Kochen. Hätte Kaleb nicht zurückhaltender sein können? Sie hätten die Versammlung unterbrechen und Mose mit den Kundschaftern privat reden sollen , um sie auf die richtige Bahn zu bringen. Das wäre doch weise gewesen, oder?

Nein, der Unglaube war zwar verdeckt, aber dennoch vor dem ganzen Volk ausgesprochen worden. Und dann muss dem auch vor allen widersprochen werden. Das stört das Schamgefühl oder Harmoniebedürfnis und deswegen ist das in unserer christlichen Kultur verpönt. Man gilt dann als Störer und vielleicht sogar Durcheinanderbringer. Doch dieser Vorwurf kommt aus einem falschem Harmoniebedürfnis. Kaleb macht das ja nicht, um den andern zu schaden, sondern um Gott treu zu sein und das Volk ins verheißene Land zu bringen. Als Christ würde man so etwas aus Liebe zu Gott und den Geschwistern tun. Rechthaberei und sich über die andern zu erheben, muss fern von uns sein.

Das Volk reagiert

Was nun folgt, ist eine superkrasse, emotionale Reaktion des Volkes:

Da erhob die ganze Gemeinde ihre Stimme und schrie, und das Volk weinte in dieser Nacht. Und alle Kinder Israels murrten gegen Mose und Aaron; und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach, daß wir doch im Land Ägypten gestorben wären, oder noch in dieser Wüste sterben würden! Und warum führt uns der HERR in dieses Land, daß wir durch das Schwert fallen, und daß unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zum Raub werden? Ist es nicht besser für uns, wenn wir wieder nach Ägypten zurückkehren?

Und sie sprachen zueinander: Wir wollen uns selbst einen Anführer geben und wieder nach Ägypten zurückkehren!

4 Mose 14:1-4

Hast Du schon einmal so starke Gefühle gehabt, dass Du geschrien und Dich in den Schlaf geweint hast? Oder hast Du gar eine Nacht hindurch geweint? Ich hatte schon starke Gefühle, aber so stark dann doch nicht. Das Volk war völlig verzweifelt. Denn sie waren in der Wüste mit ihren Kindern und sahen keine Möglichkeit, wo sie ein Zuhause finden sollen. Von meinen Gefühlen kommend, kann ich das völlig verstehen. Es ist eine verzweifelte Situation. Denn wie soll ein schlechtbewaffnetes und im Kampf ungeübtes Heer dieses Land jemals einnehmen?

Die Männer des Glaubens

Und Josua, der Sohn Nuns, und Kaleb, der Sohn Jephunnes, die auch das Land erkundet hatten, zerrissen ihre Kleider, und sie sprachen zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israels: Das Land, das wir durchzogen haben, um es auszukundschaften, ist ein sehr, sehr gutes Land! Wenn der HERR Gefallen an uns hat, so wird er uns in dieses Land bringen und es uns geben – ein Land, in dem Milch und Honig fließt.

Seid nur nicht widerspenstig gegen den HERRN und fürchtet euch nicht vor dem Volk dieses Landes; denn wir werden sie verschlingen wie Brot. Ihr Schutz ist von ihnen gewichen, mit uns aber ist der HERR; fürchtet euch nicht vor ihnen! Da sagte die ganze Gemeinde, daß man sie steinigen solle. Aber die Herrlichkeit des HERRN erschien bei der Stiftshütte vor allen Kindern Israels.

4 Mose 14:6-10

Zwölf Männer wurden als Häupter ihrer Vaterhäuser zu Kundschaftern erwählt. Und sie haben über 40 Tage ihren Mut bewiesen. Nun treten jedoch nur zwei von ihnen als Männer des Glaubens auf, um dem Volk den rechten Weg zu weisen. Den andern ist der Mut entschwunden. Kaleb und Josua stellen sich den zehn andern und der verzweifelten Menge von vielen hunderttausend Menschen entgegen. Sie zeigen dabei kein Verständnis für die Ängste und Sorgen des Volks. Das wird heute anders gemacht. Wir sind es gewohnt, die Dinge aus der Sicht der Menschen zu beurteilen. Doch Josua und Kaleb haben die Ehre Gottes vor Augen und sehen, wie sich das Volk gegen Gott stellt. Denn ich kann mich aus Furcht gegen Gott stellen. Das ist dann der Fall, wenn ich deswegen Angst habe, weil ich den Verheißungen Gottes nicht glaube.

Die beiden nennen das Volk schlicht widerspenstig. In einer Seelsorgeausbildung wären sie wohl durchgefallen. Doch bei Gott werden sie geehrt. Sie sind am Ende die beiden einzigen erwachsenen Männer der ganzen Menge, die das verheißene Land tatsächlich betreten haben. Gott ehrt sie dafür, dass sie Partei für Ihn ergriffen haben und nicht den menschlichen Gedanken gefolgt sind.

Doch in der hitzigen Situation stehen sie erst einmal der ganzen Gemeinde alleine gegenüber und müssen damit rechnen, gesteinigt zu werden. Das schreckt sie jedoch nicht ab. Sie stehen riesigen einer riesigen, tobenden Menge fest gegenüber in ihrem Vertrauen auf Gott und weichen nicht ängstlich zurück. So sehen Männer Gottes aus. Und dann greift auch Gott ein.

Kaleb und Josua als Vorbild

Auch heute braucht es solche Männer, die eine feste Stirn haben und sich darin üben, Gott zu gefallen und nicht die Anerkennung von Menschen zu suchen. Solche, die bereit sind, sich im Zweifelsfall der ganzen Gemeinde entgegen zu stellen, um an Gottes Verheißungen und Seinem Willen festzuhalten. Deren fester Grund im Wort Gottes besteht und die auch bei vielen Anfeindungen die Gewissheit, dem Willen Gottes zu folgen, nicht verlieren. Es ist nämlich naheliegend, unsicher zu werden, wenn viele Menschen gegen einen sind.

Kann es denn sein, dass zwei Männer die einzigen sind, die den Willen Gottes erkannt haben? Ja, es kann sein! Studiere das Wort Gottes. Gründe Dein Leben darauf, indem Du es tust. Dann wirst Du eine Festigkeit erlangen, wie sie ein Paulus hatte.

Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute.

Matthäus 7:24
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