Wenn der Gottesdienst Eigenliebe ist

Wenn wir Christen sonntags zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern, dann machen wir das in der Gewissheit, das dies Gottes Willen entspricht und wir Ihm damit dienen. Doch beim Lesen von Sacharja bin ich darauf gestoßen, dass das nicht automatisch so ist. Gott offenbart uns hier eine dunkle Seite in unserem Herzen, die wir nicht gerne sehen wollen.

Unsere menschliche Frage zum Gottesdienst

Damals sandte Bethel den Sarezer und Regem-Melech samt seinen Leuten, um das Angesicht des HERRN zu besänftigen, indem sie die Priester am Haus des HERRN der Heerscharen und die Propheten fragten: Soll ich auch fernerhin im fünften Monat weinen und mich enthalten, wie ich es nun so viele Jahre getan habe?

Sacharja 7:2-3 – Hervorhebungen von christusfolgen

Der Ort Bethel

Bethel ist ein Ort mit großer Geschichte. Der Name bedeutet „Haus Gottes“. Dort ist Gott dem Jakob erschienen und dort hat Jakob gewonnen und Gott gefunden und Gott hat dort zu Jakob geredet (Hos 12:5). Auch Abraham hatte Gott dort schon einen Altar gebaut.

Gleichzeitig aber ist Bethel auch der Ort des größten Götzendienstes, den Israel gesehen hat. Dort baute Jerobeam seinen Altar und machte das goldene Kalb als Konkurrenz zum Tempel in Jerusalem, dort haben die Israeliten über Jahrhunderte Götzendienst betrieben im Namen des Herrn JHWHs (1 Könige 12:28). Erst einer der letzten Könige Judas, nämlich Josia, zerstörte dann diesen Altar und verunreinigte die Kultstätte mit verbrannten Leichenteilen, so dass dieser Götzendienst ein endgültiges Ende hatte (2 Könige 23:15-16).

Das ist ein sehr gutes Bild auf unseren christlichen Gottesdienst. Einerseits ist er ein Ort, an dem Gott zu Menschen redet und Menschen IHN erkennen und finden. Auf der anderen Seite ist er aber auch der Ort, an dem der größte christliche Götzendienst betrieben wird, weil Gottesdienst nach selbstgemachten und eigenwilligen Regeln gefeiert wird, die Gott nie geboten hatte. Genau so, wie Gott nie geboten hatte, in Bethel einen Altar zu bauen und Feste für JHWH zu feiern, sondern alleine in Jerusalem.

Und ihr sollt fröhlich sein vor dem HERRN, eurem Gott, ihr und eure Söhne und eure Töchter, eure Knechte und Mägde, auch der Levit, der in euren Toren ist; denn er hat keinen Teil noch Erbe mit euch. 13 Hüte dich, dass du deine Brandopfer nicht an irgendeinem Ort opferst, den du dir ersiehst; 14 sondern an dem Ort, den der HERR in einem deiner Stämme erwählt, da sollst du deine Brandopfer opfern, und dort sollst du alles tun, was ich dir gebiete.

5.Mose 12,11-14 – Hervorhebungen durch Christusfolgen

Die Abgesandten aus Bethel

Aus diesem geschichtsträchtigen Ort reist nun eine Gesandtschaft nach Jerusalem, um Gott durch die Priester im Tempel eine Frage zu stellen. Und zwar heißt es ausdrücklich, dass sie damit das Angesicht JHWHs besänftigen wollten. Sie hatten also irgendwie gemerkt, dass etwas in ihrer Beziehung zu Gott nicht stimmte. Sie hatten erkannt, dass Gott ihnen nicht so wohlgesonnen war, wie sie es gerne hätten. Das ist schon einmal eine gute Sache. Ich wünschte, dass wir Christen heute erkennen würden, dass unsere Beziehung zu Gott nicht so glücklich ist, wie wir es darstellen.

Die Abgesandten aus Bethel hatte jedoch noch eine konkrete Frage mit nach Jerusalem gebracht. Und zwar hatte das Volk über 70 Jahre im fünften und im siebten Monat gefastet. Sie hatten das in Hinblick auf die Verheißung des Propheten Jeremia getan, der geweissagt hatte, dass Israel nach 70 Jahren wieder in sein Land zurückkehren könne.

Die konkrete Frage

Wir finden dieses Verhalten auch bei Daniel, der es ähnlich wie die Männer von Bethel gehalten hatte:

Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes Ahasveros‘, von medischer Abstammung, der zum König über das Reich der Chaldäer gemacht worden war, im ersten Jahr seiner Regierung achtete ich, Daniel, in den Schriften auf die Zahl der Jahre, von der das Wort des HERRN an den Propheten Jeremia ergangen war, daß die Verwüstung Jerusalems in 70 Jahren vollendet sein sollte. Und ich wandte mein Angesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn zu suchen mit Gebet und Flehen, mit Fasten im Sacktuch und in der Asche.

Daniel 9:1-3

Wie schön wäre es, wenn wir Christen in der selben Weise zu Gott flehen würden, dass wir uns wieder gemäß Seinem Wort treffen dürfen und nicht gegen staatliche Verordnungen dabei verstoßen. Das geht aber natürlich nur, wenn wir uns trotzdem treffen!

Nachdem nun das Volk ins gelobte Land zurückkehren konnte, stellt sich natürlich die Frage, ob sie die Tradition des Fastens fortführen sollen oder damit aufhören können. Und diese Frage stellen die von Bethel nun den Priestern und Propheten in Jerusalem.

Gottes Sicht auf deinen Gottesdienst

Rede zu dem ganzen Volk des Landes und zu den Priestern und sprich: Wenn ihr jeweils im fünften und siebten Monat gefastet und geklagt habt, und zwar schon diese 70 Jahre – habt ihr denn da für mich gefastet? Und wenn ihr eßt und wenn ihr trinkt, eßt und trinkt ihr dann nicht für euch?

Sacharja 7,5-6

Für wen feierst du Gottesdienst? Seltsame Frage? Natürlich für Gott? So dachten die von Bethel sicherlich auch. Natürlich hatten sie für Gott gefastet. Immerhin ist Fasten kein Spaß. Da bekommt man richtig Hunger und wird körperlich geschwächt. Das macht man doch nicht einfach so, oder?

Gott vergleicht das Fasten von damals mit dem Essen und Trinken. Beim Essen und Trinken sage ich Gott dank. Ich hoffe das tust Du auch (Apg. 27:35). Ich soll Gott damit auch ehren (1 Korinther 10:31).

Dennoch ist das Essen und das Trinken eine Sache, die ich für mich tue, weil ich Hunger und Durst habe und weil es mir gut schmeckt. Es ist aber keine Sache, die ich explizit für Gott mache.

Aber warum vergleicht Gott nun das Fasten der Israeliten mit dem Essen und Trinken? Beim Fasten über ich doch Verzicht, um speziell Gott zu suchen und mich vor Ihm zu demütigen. Ist das auch etwas für mich?

Die Israeliten hatten nach Gottes Urteil für sich gefastet und geklagt – und nicht für Gott. Aber wie kommt Gott zu Seinem gerechten Urteil?

Sind nicht dies die Worte, welche der Herr durch die früheren Propheten verkündigen ließ, als Jerusalem noch bewohnt war und Frieden hatte samt den umliegenden Städten, und als auch der Negev und die Schephela noch bewohnt waren?

Und das Wort des Herrn erging an Sacharja folgendermaßen: So spricht der Herr der Heerscharen: Übt getreulich Recht, und jeder erweise seinem Bruder Gnade und Erbarmen; bedrückt nicht die Witwen und Waisen, auch nicht den Fremdling und den Armen, und keiner sinne Böses in seinem Herzen gegen seinen Bruder! Aber damals weigerten sie sich, darauf zu achten, und sie waren halsstarrig und verstopften ihre Ohren, um nicht zu hören. Und sie machten ihre Herzen [so hart] wie Diamant und wollten das Gesetz nicht hören, noch die Worte, die der Herr der Heerscharen durch seinen Geist, durch die früheren Propheten gesandt hatte. Daher kam ein großes Zorngericht von seiten des Herrn der Heerscharen [über sie].

Sacharja 7,7-12

Gott gibt einen Rückblick auf die Ausgangssituation vor der Wegführung von Juda nach Babylon. Die Väter hatten nicht auf die Stimme Gottes gehört. Sie hatten ihr Herz hart gemacht gegen Gott. Auf die früheren Propheten hatten sie nicht gehört. Das war allgemein bekannt. Deswegen hatte sich die neue Generation auch vor Gott gedemütigt und deswegen hatten sie doch schließlich auch gefastet und getrauert. Waren sie also nicht besser als ihre Väter? Was will Gott von ihnen?

Gottes Wille für deinen Gottesdienst

Das ist es aber, was ihr tun sollt: Redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, übt treulich Recht und fällt einen Rechtsspruch des Friedens in euren Toren; und keiner sinne Böses in seinem Herzen gegen seinen Bruder; liebt auch nicht falschen Eid! Denn dies alles hasse ich, spricht der Herr.

Sacharja 8,16-17

Das Fasten ist nur dann von Nutzen, wenn es damit verbunden ist, Gottes Gebote zu halten. Die Väter hatten Gottes Gebote nicht gehalten – und wie steht es nun um die neue Generation, die von Gott zurückgeführt worden waren? Hält sie die Gebote Gottes? Sacharja ermahnt diese Generation im Namen Gottes, Gottes Gebote zu halten. Dafür sollen sie Eifer haben und nicht für ein Fasten, welches Gott nicht geboten hatte.

Ein solches Fasten kann Gott durchaus wohlgefällig sein, wie wir bei Daniel sehen. Aber der erste Eifer muss darauf gerichtet sein, die Gebote Gottes zu achten und Ihn dadurch zu ehren.

Wenn du das nächste Mal in den Gottesdienst gehst, warum tust du das? Welches Urteil wird Gott darüber fällen? Hast du Eifer für Gottes Gebote, dann ist das ein guter Gottesdienst. Gehst du jedoch zum Gottesdienst, achtest aber die „kleinen“ Gebote Gottes gering und rümpfst vielleicht sogar die Nase über diejenigen, die auf „unwichtige“ Gebote achten, dann hat er keinen Wert. Gott interessiert sich nicht für deinen Gottesdienst. Er möchte dein Leben!

Wie haben sich die Menschen bei Sacharja entschieden?

Hat nun diese neue Generation, die den Grundstein des zweiten Tempels legte, Gottes Gebote in dieser Weise geachtet? Leider nur zum Teil. Irgendwann war Sacharja ihnen so unangenehm, dass sie ihn zwischen dem neuen Altar und dem Heiligtum getötet haben. Leider hat auch diese neue Generation Gottes Gebote nicht so geachtet und geliebt, wie Er es will. Deswegen waren sie irgendwann über den Dienst Sacharjas so erbost, dass sie ihn töten mussten.

Darum hat auch die Weisheit Gottes gesprochen: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen, damit von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten gefordert werde, das seit Grundlegung der Welt vergossen worden ist, vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias (griech. Form von Sacharja), der zwischen dem Altar und dem Tempel umkam. Ja, ich sage euch, es wird gefordert werden von diesem Geschlecht!

Lukas 11:49-51

Wie steht es um dich? Denkst du auch, dass du einem Propheten Gottes nie etwas getan hättest, aber hast gleichzeitig keinen besonderen Eifer für die Gebote Gottes? Hast du schon einmal jemanden verachtet oder gar angegriffen, dem ein Gebot Gottes kostbar war, dass dir unwichtig ist? Dann tu Buße und kehre um, bevor du dich schuldig machst, am Blut eines Propheten.

image_pdfimage_print

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.