Nennt nicht alles Verschwörung…

Nennt nicht alles Verschwörung, was dieses Volk Verschwörung nennt, und vor dem, was es fürchtet, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht davor!

Jesaja 8:12

Verschiedene bekannte Prediger (Michael Kotsch, Thomas Powilleit,…) haben diese Stelle aus dem Buch Jesaja dazu verwendet, um uns Gläubigen zu zeigen, dass wir nicht alles Verschwörung nennen sollen, was die „Verschwörungs-Theoretiker“ Verschwörung nennen.

Ich habe mich nun hingesetzt und den Bibeltext einmal im Zusammenhang des Buches Jesajas angesehen, um zu verstehen, wovor Gott hier warnt und ob die obige Anwendung einer guten biblischen Auslegung entspricht.

Was ist eine Verschwörung?

Zuerst stellt sich die Frage, was eine Verschwörung überhaupt ist und was das hebräische Wort damit meint. Dafür ziehe ich ein Wörterbuch zu Rate und stelle fest, dass das hebräische Wort mit „Verschwörung, Verrat oder unrechtmäßiges Bündnis“ übersetzt werden kann.

Daraus lernen wir, dass eine Verschwörung schlecht von einem einzelnen ausgehen kann. Sondern es sind mehrere Personen, die einen Bund schließen, um etwas Unrechtmäßiges zu tun. Es ist sogar so, dass die Wurzel dieses Wortes „etwas miteinander verbinden“ bedeutet. Es geht also stark darum, dass sich mehrere Menschen zusammen binden, um etwas zu erreichen. Und dieses Ziel ist, je nach Perspektive, unrechtmäßig.

Weiteren Kontext suchen

Der nächste Schritt ist, in der Bibel nachzusehen, wo dieses Wort noch verwendet wird. Das gibt oftmals neues Verständnis. Folgende Stellen habe ich als hilfreich gefunden:

Und sie sah zu, und siehe, da stand der König an der Säule, wie es Sitte war, und die Obersten und Trabanten bei dem König; und alles Volk des Landes war fröhlich und stieß in die Trompeten. Atalia aber zerriß ihre Kleider und schrie: Verschwörung! Verschwörung!

2 Könige 11:14

In den Augen Atalias war es unrechtmäßig, sie abzusetzen. Allerdings hatte sie selbst von Gott keine Legitimation, da sie nie zum König gesalbt wurde, sondern Frau war, sowie durch Mord und nicht aufgrund von Geburt an die Macht gekommen war. Daher war es in Gottes Augen nicht unrechtmäßig sie abzusetzen.

Und der HERR sprach zu mir: Es besteht eine Verschwörung unter den Männern von Juda und unter den Bewohnern von Jerusalem. Sie sind zu den Sünden ihrer Vorväter zurückgekehrt, die sich geweigert haben, meinen Worten zu gehorchen; sie selbst sind auch fremden Göttern nachgefolgt und haben ihnen gedient. Das Haus Israel und das Haus Juda haben meinen Bund gebrochen, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe!

Jeremia 11:9-10

Hier besteht eine Verschwörung gegen Gott. Männer von Juda hatten sich verbunden, um gemeinsam zu den Sünden der Vorväter zurückzukehren. Sie hatten dieses Vorhaben zu ihrem erklärten Ziel gemacht.

Absalom schickte auch nach Ahitophel, dem Giloniter, dem Ratgeber Davids, und ließ ihn aus seiner Stadt Gilo holen, während er die Opfer schlachtete. Und die Verschwörung wurde stark, und das Volk nahm beständig zu bei Absalom.

2 Samuel 15:12

Dies ist eine Verschwörung gegen den König David. Absalom hatte sich mit einigen Fürsten und Obersten des Volkes gegen David verbunden.

Wir können also zusammenfassen: Eine Verschwörung ist ein Bündnis mehrerer Personen, um ein (vermeintlich) unrechtmäßiges Ziel zu erreichen.

Welche Verschwörung besteht zur Zeit Jesajas?

Weil dieses Volk das still fließende Wasser Siloahs verachtet, dagegen Freude hat an Rezin und an dem Sohn Remaljas, siehe, so wird der Herr die starken und großen Wasser des Stromes über sie bringen, den König von Assyrien mit seiner ganzen Herrlichkeit.

Jesaka 8:6-7

In diesem Abschnitt spricht Gott davon, dass Er Juda bestrafen wird, weil sie die still fließenden Wasser Siloahs verachten und (heimlich) Rezin, den König der Aramäer, sowie Pekach, den König Israels, bewundern. Mit den still fließenden Wassern Siloahs ist zuerst einmal die Wasserversorgung Jerusalems gemeint. Hiskia baute sie dann vollends zum Teich Siloah aus. Bildlich ist damit jedoch das Königshaus David und damit Ahas gemeint. Er war zu jener Zeit der Gesalbte JHWHs. Siloah wird in Joh 9:7 mit „der Gesandte“ übersetzt.

Darum ist es passend, dass Jesaja den König Ahas am Ende der (alten) Wasserleitung des oberen Teiches (nicht der spätere Teich Siloah) treffen soll, um ihm folgende Botschaft zu bringen:

Weil der Aramäer Böses gegen dich geplant hat samt Ephraim und dem Sohn Remaljas, die sagen: „Wir wollen nach Juda hinaufziehen und es in Schrecken versetzen und es für uns erobern und dort den Sohn Tabeels zum König einsetzen!“, deshalb spricht GOTT, der Herr: Es soll nicht zustandekommen und nicht geschehen!

Jesaja 7:5-7

Und hier lernen wir, dass zwischen Pekach und Rezin sehr wohl eine Verschwörung gegen Ahas, den König Judas, bestand. Es erscheint auch wahrscheinlich, dass die Bewunderung des jüdischen Volkes für Pekach und Rezin dazu geführt hat, dass es heimliche Sondierungsgespräche zwischen einzelnen Juden und Pekach zur Absetzung gegeben hat. Wer der Sohn Tabeels ist, lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Jedoch muss er aus dem Stamm Juda gewesen sein, da er als König über Juda eingesetzt werden sollte.

Also besteht die Verschwörung hier darin, dass Pekach, Rezin, der Sohn Tabeels und andere Juden sich verbunden hatten, um Ahas als König abzusetzen.

Warum soll man das nun nicht Verschwörung nennen?

Dafür ist es wichtig, den ganzen Vers zu betrachten und nicht nur das Wort „Verschwörung“ herauszugreifen. Weiterhin ist es nötig, die Verse danach und davor mit einzubeziehen. Das gehört zu guter Bibelauslegung dazu.

Denn mir ist alles möglich, wenn ich einen Vers aus seinem Kontext reiße!

Denn so hat der HERR zu mir gesprochen, indem er mich fest bei der Hand faßte und mich davor warnte, auf dem Weg dieses Volkes zu gehen: Nennt nicht alles Verschwörung, was dieses Volk Verschwörung nennt, und vor dem, was es fürchtet, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht davor! Den HERRN der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; er sei eure Furcht und euer Schrecken! So wird er euch zum Heiligtum werden; aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns für die beiden Häuser Israels, zum Fallstrick und zur Schlinge für die Bewohner von Jerusalem, so daß viele unter ihnen straucheln und fallen und zerbrochen, verstrickt und gefangen werden.

Jesaja 8:11-15

Das Ziel der Rede Gottes ist es, Jesaja und die anderen Treuen davor zu warnen auf dem Weg der Mehrheit zu gehen. Und Er nennt Jesaja zweierlei, was er nicht tun soll, um nicht auf dem Weg des Volkes zu gehen. Ich nenne das Volk hier bewusst „Mehrheit“, weil das Volk die Mehrheit der Bewohner Judas meint.

  1. Nicht Verschwörung nennen, was das Volk Verschwörung nennt
  2. Nicht zu fürchten, was das Volk fürchtet, sowie nicht davor zu erschrecken

Und Gott nennt 2 Dinge, die Jesaja und alle Gottesfürchtigen tun sollen, um nicht auf dem Weg des Volkes zu gehen:

  1. JHWH, den Herrn, heiligen
  2. JHWH, der Herr, soll ihre Furcht und ihr Schrecken sein

Und wenn sie das machen, dann wird Gott ihnen zum Heiligtum werden.

Das Volk sprach von der Verschwörung gegen Ahas und fürchtete sich vor Pekach und Rezin. Und das, obwohl Gott dem Ahas bereits versprochen hatte, sich darum zu kümmern, wenn Ahas Ihm vertraut. Das lesen wir in Kapitel 7. Es gab also keinen Grund mehr, sich um diese Verschwörung und den drohenden Angriff Sorgen zu machen. Gott hatte diese Verschwörung schon für gescheitert erklärt (Jesaja 7:7). Sorgen haben sich nur die gemacht, die Gott nicht glaubten. Ahas nahm später dann leider das geheiligte Gold aus dem Tempel, um den König von Assyrien für eine Verschwörung gegen Rezin anzuwerben.

Es ist daher folgendes festzustellen:

  1. Es gab eine handfeste Verschwörung (die Verschwörungs-Theoretiker hatten recht, so wie sie auch heute in vielen Vorhersagen recht hatten).
  2. Jesaja sollte es nicht Verschwörung nennen und es nicht fürchten, weil das von Unglauben gezeugt hätte. Denn die Verschwörung war bereits gescheitert.
  3. Als Menschen, die Gott glauben, sollen wir unsere Kraft und unsere Gedanken darauf richten, Gott zu fürchten und nicht die Menschen (Verschwörer), sowie Gott zu heiligen und nicht den Staat (Ahas).
  4. Gott stellt dann in Jesaja 8:14 fest, dass Er sowohl die Verschwörer als auch die Verschwörungstheoretiker zu Fall bringen wird. Gott wird jedoch zum Heiligtum wird für jeden, der Ihn heiligt und fürchtet.

Keine gute biblische Auslegungspraxis

Leider muss ich also zum dem Fazit kommen, dass die von verschiedenen Bibelehrern gebrauchte Auslegung dieser Jesaja-Passage keiner guten Auslegungspraxis entspricht. Der Schluss, dass wir als Christen uns nicht mit Verschwörungs-Theorien beschäftigen sollen, weil es keine Verschwörung gäbe, sondern der Staat es gut mit uns meint – seltsame Annahme – , lässt sich nicht aus Jesaja ableiten. Der Zusammenhang (Kontext) zeigt vielmehr, dass es eine klare Verschwörung gab. Im damaligen Fall sollte sie jedoch nicht mehr als solche bezeichnet werden, weil Gott sie als gescheitert erklärt hatte. Gott fordert uns nun mit Jesaja dazu auf, uns nicht vor solchen Verschwörungen zu fürchten. Denn ER ist der Schöpfer von Himmel und Erde, der uns Verheißungen gegeben hat, damit wir uns nicht fürchten und nicht verzagen.

Wenn wir also Gott fürchten, Er unser Schrecken ist und nicht die Eliten dieser Welt, ein Corona-Virus oder unsere Nachbarn, wenn wir Ihn in unserem Leben heiligen und nicht die Hygiene-Maßnahmen oder die ganzen Theorien über die Hintergründe, dann können wir unsere Häupter erheben.

Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so richtet euch auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht.

Lukas 21:28
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