Auslegung von Gottes Wort wie man denkt?

Die Auslegung von Gottes Wort ist das zentrale Element allen christlichen Denkens. Wie ich das Wort Gottes auslege bestimmt maßgeblich, wie ich dann lebe. Und wie ich lebe bestimmt, ob ich Christus gehorsam bin oder nicht. Letztens bin ich über einen Artikel gestolpert, der ein grundsätzlich gutes Ziel verfolgt: Wir sollen aufhören, uns (indirekt) nach bestimmten Bibellehrern zu benennen oder uns mit ihnen zu identifizieren, sondern wirklich Christus folgen. In diesem Artikel wird jedoch die folgende Behauptung aufgestellt:

Jeder Bibellehrer hat Grundannahmen, die ihn bei der Bibelauslegung leiten. Diese Grundannahmen sind Leitregeln, die bestimmen, wie die Bibel ausgelegt werden soll. Wie will man diese Leitregeln zur Auslegung der Bibel aus der Bibel entnommen haben, wenn es doch gerade diese Regeln sind, die die Auslegung der Bibel leiten? Zuerst sind also die Leitregeln zur Auslegung der Bibel da und ihnen folgt dann die Auslegung der Bibel. Die Leitregeln zur Bibelauslegung sind also selbst kein Produkt der Bibelauslegung.

https://www.christologisch.de/2020/06/08/ich-bin-des-liebi-und-ich-des-ebertsh%C3%A4users-ich-aber-des-kaufmanns/ – Hervorhebung durch Christusfolgen
Screenshot: Ich bin des Liebi; und ich des Ebertshäusers; ich aber des Kaufmanns.
Screenshot von christologisch.de: „Ich bin des Liebi; und ich des Ebertshäusers; ich aber des Kaufmanns.“

Bruder Josef Drazil vertritt hier also die Grundannahme, jeder hätte zwangsläufig Leitregeln oder Prinzipien der Auslegung, die der Bibel nicht entnommen wurden, sondern von anderen Menschen kommen. Und das sei der Grund, warum jeder Mensch automatisch die Bibel mit einer gewissen Brille lesen würde.

Wenn ich mir die Realität unter uns Christen ansehe, dann beschreibt er die Situation in vielen Fällen korrekt. In der Tat ist kein Mensch völlig unvoreingenommen, wenn er die Bibel liest. Das trifft besonders auf die zu, die christlich aufgezogen wurden. Wer offene Augen hat, der sieht viel von dieser Auslegung durch eine bestimmte Brille. Doch hat sich Gott das so vorgestellt? Was sagt Gott in Seinem Wort über dieses Problem? Oder löst Gott dieses logische Problem nicht?

Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn es werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen;

Hebräer 8:11

Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt es nicht nötig, daß euch jemand lehrt; sondern so, wie euch die Salbung selbst über alles belehrt, ist es wahr und keine Lüge; und so wie sie euch belehrt hat, werdet ihr in ihm bleiben.

1 Johannes 2:27

Die beiden genannten Stellen machen deutlich, dass im Neuen Bund Gott selbst es übernehmen möchte, den einzelnen Menschen zu lehren. Allerdings geschieht das durchaus auch im Zusammenspiel im Leib. Jedoch nicht so, dass man die Leitlinien von jemand anders übernehmen müsste oder sollte, sondern als Brüder beugt man sich gemeinsam unter die Auslegungsprinzipien, die Gott uns lehrt.

Da mir direkt spontan ein paar Prinzipien der Schriftauslegung, die Gott in der Bibel festlegt, eingefallen sind, möchte ich diese hier zu Bedenken geben. Zudem folgen noch Verheißungen, wo Gott sich selbst bindet, uns Menschen in alle Wahrheit zu leiten.

Auslegung durch Gottes Wort

Auslegung nach menschlichen Leitlinien, nach irgendwelchen vorgefertigten Brillen usw. ist tatsächlich ein Problem. Das ist wahrscheinlich ein wesentlicher Grund für die fehlende Einheit des Glaubens unter Christen. Dabei gibt Gott in Seinem Wort durchaus klare Regeln für das Verständnis Seines Wortes. Dafür muss ich auch nichts vorher, außerhalb des Wortes, festlegen.

Man muss glauben, um das Wort verstehen zu können

Durch Glauben verstehen wir, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so daß die Dinge, die man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden sind.

Hebräer 11:3

Gott macht uns hier deutlich, dass wir Menschen die grundsätzlichsten Dinge nicht verstehen können, wenn wir Ihm nicht glauben. Wir können nicht einmal verstehen, dass Gott die Welten durch Sein Wort bereitet hat. Erst wenn wir Ihm Glauben und Vertrauen entgegenbringen, können wir etwas verstehen.

Das ist auch unter uns Menschen so. Wenn ich jemanden grundsätzlich als Verschwörungstheoretiker oder als Verschwörer eingeordnet habe, dann werde ich keines seiner Worte mehr für wahr nehmen, sondern alles hinterfragen und anders interpretieren. Und so machen es viele Menschen leider auch mit Gottes Wort. Sie hinterfragen es in falscher Weise, weil sie es in ihrem Herzen für unglaubwürdig erachten, und nicht um zu lernen.

Alle Schrift ist von Gott eingegeben

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.

2 Timotheus 3:16-17

Wenn ich glaube, dass die Bibel völlig ausreichend ist, um für jedes gute Werk vorbereitet zu sein, dann suche ich darin nach Antworten auf meine offenen Fragen. Und ich glaube, dass es dort Antworten gibt. Zudem nehme ich jede Belehrung und Ermahnung aus dem Wort Gottes von Herzen an und versuche sie nicht „ungültig“ zu machen, indem ich das Gebot als kulturell, altmodisch oder unwichtig einstufe. Jedes Gebot ist mir dann heilig.

Die Summe Seines Wortes ist Wahrheit

Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und jede Bestimmung deiner Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Psalm 119:160

Alles ist mir möglich, wenn ich einen Vers aus seinem Kontext reiße. Wie viel haben wir Menschen schon Böses getan und gesagt, indem wir einzelne Stücke aus Gottes Wort geschnitten haben. Oftmals wird nicht ernsthaft geprüft, ob die Auslegung eines Verses in den Gesamtzusammenhang der Schrift passt. Man hat seine vorgefasste Meinung und garniert diese dann mit ein paar Bibelversen, um mehr Autorität zu bekommen. Dabei lehrt uns Gott, dass die Summe Seines Wortes Wahrheit ist. Also nicht ein einzelner Vers, sondern die ganze Schrift braucht es, um wirklich die Wahrheit zu finden.

Keine Weissagung lässt eine eigenmächtige Deutung zu

Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.

2 Petrus 1:19-21

Klarer als Petrus kann man es nicht ausdrücken. Petrus spricht hier vom prophetischen Wort und von der Weissagung. Es geht also um die Teile der Schrift, die von zukünftigen oder verborgenen Dingen handeln. Wenn aber von diesen Teilen des Wortes Gottes nichts von eigenmächtiger Deutung ist, wie viel weniger dann die Stellen, die nicht von der Zukunft handeln? Bei den Zukunftsthemen hätte ich persönlich noch am ehesten gesagt, dass der Ausleger einen Interpretationsspielraum hat. Aber Petrus sagt „Nein“! Dann gibt es bei den Geboten des Herrn erst recht keinerlei Spielraum. Das zeigt uns auch das nächste Prinzip.

Wer eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und so lehrt

Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel.

Matthäus 5:19

In dem Artikel „Wächterdienst“ von Andreas Lindner aus der Perspektive 05/2007 ging es um die Frage, ob es wichtigere und weniger wichtige Gebote gibt. Also ob man in manchen Teilen der Schrift einfach sich gegenseitig stehen lässt und nur in den wichtigen auf Einheit besteht. Und um zu begründen, dass es wichtigere und weniger wichtige Gebote gibt, führte der Autor Matthäus 5:19 an. Ich habe trotz meines Schreckens über die Stellenwahl gelacht, denn der Herr macht im selben Satz deutlich, dass es zwar „kleinste“ Gebote gibt, aber wehe dem, der sie auflöst und andere so lehrt. Willst Du der Kleinste im Reich der Himmel genannt werden? Dann sieh über die kleinsten Gebote des Herrn großzügig hinweg und lehre andere so.

Wenn ich aber die Schrift christusgemäß auslegen will, dann komme ich nicht daran vorbei, jedes kleinste Gebot sehr ernst zu nehmen.

Das Alte Testament ist uns zum Vorbild und zur Warnung geschrieben

Diese Dinge aber sind zum Vorbild für uns geschehen, damit wir nicht nach dem Bösen begierig werden, so wie jene begierig waren.

Das alles, was jenen widerfuhr, ist ein Vorbild und wurde zur Warnung geschrieben für uns, auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist.

1 Korinther 10:6,11

Auch für den Umgang mit dem Alten Testament gibt Gott uns Christen eine klare Leitlinie an die Hand, wie wir damit umgehen sollen. Und zwar sind diese Dinge uns zum Vorbild geschehen und daher auch deswegen aufgeschrieben worden. Und zwar als Vorbild, damit wir nicht nach dem Bösen begierig werden, wie es die Israeliten waren. Paulus bezieht sich hier im konkreten Fall auf die Wüstenwanderung der Israeliten. Dieses Prinzip lässt sich aber leicht auf den Rest des Alten Testaments erweitern. Es sei denn, jemand hätte eine gegenteilige Aussage in Gottes Wort gefunden.

Ich begreife es als große Not unter uns Christen, dass wir die Geschichte Israels oft nicht so lesen, wie Gott es uns gebietet. Denn unsere Christenheit würde anders aussehen, wenn wir uns Israel tatsächlich als warnendes Vorbild nehmen würden und diesen Auslegungsgrundsatz befolgen würden.

Die Verwendung alttestamentlicher Schriftstellen durch den Herrn und die Apostel

Wie der Herr und wie die Apostel einzelne Stellen aus dem Alten Testament zitieren und anwenden, ist ein Thema für sich. So Gott will, wird es dazu einen separaten Artikel geben. Auf jeden Fall können wir durch diese Beispielauslegungen ebenfalls lernen, wie wir schriftgemäß auslegen können. So finden wir Leitlinien innerhalb des Wortes Gottes und müssen nicht auf solche von außerhalb zurückgreifen.

Gottes Wort bleibt immer (moralisch) gerecht

Deine Zeugnisse sind auf ewig gerecht; unterweise mich, so werde ich leben!

Psalm 119:144

Wenn wir mehr glauben würden, dass Gottes Wort auf ewig gerecht bleibt, dann hätten wir viel weniger Diskussionen. Denn die meisten Diskussionen um die Frage, ob etwas noch zeitgemäß ist oder nicht, sind mit diesem Vers beendet.

Ist es gerecht, dass Frauen nicht predigen dürfen? Ja, denn Gottes Wort bleibt immerdar gerecht. Ist es gerecht, dass Gott Scheidung hasst und man sich nicht scheiden darf? Ja, denn Gottes Zeugnisse bleiben immerdar gerecht.

Man könnte nun noch fortfahren, aber der Sinn ist wohl klar. Wir kommen heute oft in Zweifel, ob Gottes Gebote wirklich moralisch gut sind, weil die Moral unserer Zeit – und somit unser eigenes Denken – anders ist. Doch Gottes Wort bleibt immerdar gerecht und daher auch moralisch gut. Da können wir Menschen unser Denken verdrehen, wie wir wollen. Um fest zu stehen, müssen wir unser Denken durch Gottes Wort schulen und reinigen.

Der Heilige Geist lehrt und erinnert uns

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Johannes 14:26

Zum Schluss nun ein „Auslegungsprinzip“, das nicht so leicht greifbar ist. Zumindest ist es für den natürlichen Menschen nicht greifbar. Der Herr Jesus hat verheißen, dass der Heilige Geist uns die richtige Auslegung lehrt. Denn Er lehrt und erinnert uns an alles, was der Herr Seinen Jüngern gesagt hat. Das Wort ohne den Geist zu lesen, wird eine intellektuelle Auseinandersetzung damit. Und es führt dazu, dass wir nicht von Gott empfangen, sondern versuchen, uns selbst etwas anzueignen. Wir werden dann aber auch nicht viel verstehen und schließlich, wie Israel, in die Irre gehen. Doch wenn wir mit dem Geist der Wahrheit die Wahrheit lesen, dann erkennen wir die Wahrheit und die Wahrheit macht uns frei.

Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!

Johannes 8:31-32

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

Johannes 16:13

Durch Gottes Gnade und das Wirken des Heiligen Geistes sind wir eben nicht abhängig von den Leitlinien anderer Menschen, die wir direkt oder indirekt gelernt haben. Wir können frei davon werden, wenn wir danach trachten. Außerdem sagt Gott hier, dass es einen guten Lehrer des Wortes auszeichnet, dass er gerade nichts von sich selbst redet. Also dass er nicht seine eigenen Leitlinien predigt, sondern nur das, was er von Gott gehört hat. Wenn selbst der Heilige Geist nur das redet, was Er gehört hat, wie viel mehr sollten wir Menschen das tun?

Fazit zur schriftgemäßen Auslegung

Ohne größere Mühe habe ich nun acht Grundsätze der Bibelauslegung in der Bibel selbst gefunden. Wenn wir diese befolgen, dann bewahrt uns das davor, die Bibel mit einer Brille zu lesen oder nur dem theologischen Konzept eines bekannten Lehrers zu folgen. Dazu gehört aber natürlich, dass wir das auch wollen. Denn oftmals gefällt es uns Menschen, einen anderen auf den Sockel zu stellen, um unserer eigenen Meinung dann umso mehr Autorität zu verschaffen. Wir sonnen uns gerne eine Stunde im Licht eines berühmten Bruders, damit wir uns selbst rechtgläubiger fühlen.

Wieviel besser ist es, wenn unser Fundament wirklich auf dem Wort Gottes selbst beruht und nicht auf menschlichen Überlegungen oder Traditionen oder bekannten Bibellehrern, deren Früchte im Leben wir oftmals gar nicht kennen.

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